Rückblick: Das 60. Jubliäum des Stamms Ottheinrich von der Pfalz

Allen, die an dem Wochenende vom 2. bis 3. Juli 2016 im Pfadfinderheim in der Ringgasse mit dabei waren, klingen noch viele Eindrücke nach: die ausgelassene Stimmung an beiden Tagen, die Annäherung zwischen den derzeit Aktiven und den „wirklich ehemaligen“ Pfadfindern, die sich zahlreich zu diesem Stammesjubiläum eingefunden hatten und in aufgeregt neugieriger Stimmung „ihr” altes Pfadiheim betraten, wo sie in den 60er bis 90er Jahren des letzten Jahrtausends als Mitglieder z.B. der „Rotte Reiher” oder der „Sippe Bussard” zu ihren wöchentlichen Gruppenstunden kamen. Mit Erstaunen wurde z.B. ein von einer ehemaligen Sippe gebautes und nun wieder hervorgeholtes altes Modell des Pfadfinderheims wiedererkannt.

Andere berichteten vom Bau der Bar im Roverräumchen und dass es keineswegs immer einfach war, die “Gründungsväter” des Stammes Ottheinrich von der Pfalz – bei allem gebührenden Respekt – vom Wunsch nach Neuem und mehr Eigenverantwortung für die junge Führungsrunde zu überzeugen. Auch bei den Pfadfindern spiegelten sich die gesellschaftlichen Konflikte der 60er Jahre im Spannungsfeld konservativer Weltanschauungen und den berechtigten Träumen der Mädchen und Jungen von einer offeneren Gesellschaft wider, von einem Miteinander der Generationen und Geschlechter auf Augenhöhe, von mehr Freiheit für junge Menschen, auch innerhalb der Deutschen Jugendverbände.

So sind wir unseren Vorgängern heute im Jahr 2016 dankbar, dass sie – was sehr typisch für Pfadfinder ist – neue Wege gesucht und die Herausforderung nicht gescheut haben, die Welt positiv mitzugestalten. Auch wir heutigen Gruppenleiter und Führungsrundenmitglieder bekamen viel Lob und Anerkennung dafür, dass wir uns mit augenscheinlichem Erfolg bemüht haben, die „Lust am Pfadfinden” auch in unserem Jahrzehnt bei vielen Kindern und Jugendlichen zu wecken und bis heute zu erhalten, die im Pfadfindersein eine Alternative zur medialen und digitalen Reizüberflutung unserer Zeit finden. Am Samstagabend standen und saßen überall Grüppchen plaudernder Pfadis aus unserem und befreundeten Stämmen bei entspannter Live-Musik zusammen, ehemalige Sippenleiter/innen trafen auf ihre Sipplinge, die heute selbst ihre Kinder wieder im Stamm Ottheinrich von der Pfalz beim VCP angemeldet haben. Es wurde bei der Nostalgie-Bilderschau über die schlimmen Frisuren der 80er Jahre viel gelacht, Bratwurst und Getränke gingen reichlich über den Tresen, und schließlich passte auch der Sieg der deutschen Fußballnationalmanschaft im EM-Viertelfinale über Italien zur sehr ausgelassenen Stimmung im und ums Heim! Kurz nach Mitternacht standen alle zusammen im Licht der Fackeln um das Lagerfeuer und erlebten nach einer kurzen Andacht die Ehrung aktiver Ehemaliger, die in besondere Anerkennung ihrer Leistungen für die Ingelheimer Pfadfinderschaft vor dem Stammesbanner das blau-lila Halstuch verliehen bekamen, zu den Klängen des alten Bundesliedes „Allzeit bereit”.

Am Sonntag hatte Pfarrerin Beck die ganze Burgkirchengemeinde zu einem Freiluftgottesdienst auf unser Heimgelände eingeladen. Fragen des Sich-Orientierens, des Pfadefindens waren das Thema des mit einigen Pfadfinderinnen vorbereiteten Gottesdienstes. Dies wurde durch einen vor dem Altar ausgelegtes Labyrinth aus Seilen verdeutlicht, das im Zentrum das Licht als Kraftquelle hatte. Nach derlei schönen Gleichnissen auf das Leben folgten herzliche und persönliche Grußworte u.a. durch Oberbürgermeister Claus als Vertreter der Stadt Ingelheim, der selbst ein sehr aktiver Pfadfinder gewesen ist, sowie auch durch Vertreter der VCPLandeszentrale und der VCP-Bundesleitung. Hieran schloß sich der Familientag unserer Jubiläumsveranstaltung an, an dem nun auch Eltern und Geschwisterkinder der Aktiven teilnahmen mit Chilli aus dem Hordentopf, Stockbrot am Lagerfeuer und einer Bilderpräsentation der letzten Lager, so dass auch die Eltern einmal sehen konnten, wieviel Spass ihre Kinder trotz manchem Komfortverzicht auf so einem Pfadfinderlager haben können! Ein Highlight war auch die Tombola mit vielen originellen Sachspenden der Ingelheimer Geschäftswelt, wofür wir an dieser Stelle ebenso herzlich danken möchten. Überhaupt gilt es, allen Beteiligten dieses Jubiläums, die uns in mannigfaltiger Weise tatkräftig unterstützen, Dank zu sagen. Nicht zuletzt durch das großzügige Sponsoring unserer Festschrift und spontane Zuwendungen während der Jubiläumsfeier, und auch den großen Einsatz unserer Freundeskreismitglieder wäre es nie eine so schöne und würdige Veranstaltung geworden! Unsere Stammesführung bedankte sich auch ausdrücklich bei allen Eltern, die uns in der Vergangenheit ebenso wie heute ihre Kinder anvertrauen und uns immer unterstützen. Es scheint sich dennoch zu lohnen: ein jeder der anwesenden Ehemaligen betonte die besondere Bedeutung der aktiven Zeit als Pfadfinderin oder Pfadfinder in unserem Stamm für das eigeneLeben als Quelle des Selbstvertrauens und der positiven Erinnerungen. Gibt es ein schöneres Kompliment für unsere Jugendarbeit? In unserer Festschrift lassen sich noch viele informative und unterhaltsame Details zur Geschichte des Stammes Ottheinrich von der Pfalz nachlesen.

Gut Pfad!

Text: Coralie Kodron